Am letzten Sonntag gab's im französischen Fernsehen das Historiendrama aus dem Jahr 2008, "Die Schwester der Königin" (The Other Boleyn Girl) von Justin Chadwick.
Als Vorlage diente der Schmöker von Philippa Gregory (die selbst am Drehbuch mitarbeitete), eine Dreieck-Liebesbeziehung, Konkurrenzkampf zweier Schwestern um das Herz/Bett König Heinrich VIII. Die Ältere, eine blonde Schönheit mit Präraffaeliten- Engelsgesicht, die Andere , dunkel-düster, atemberaubend, jünger jedoch nicht unschuldiger. Man könnte sagen: Die Schöne und das Biest, Scarlett Johansson als Mary Boleyn und Natalie Portman als Schwester Anna. Trotz Starbesetzung war ich als Tudor-Laie (siehe Rubrik Labels) eher sehr enttäuscht. Es ist wohl reiner Zufall, dass dieser Film sehr der TV-Vorabendserie "Die Tudors" ähnelt, auch wenn diese Anna Boleyn-Verfilmung weniger Gewalt und Sexszenen enthält. Beide Produkte nehmen es nicht so genau mit der historischen Wahrheit, man nennt dies künstlerische Freiheit oder auch Kostümkino. Vom Shakespeare-Drama keine Spur, 110 Minuten Glamour ohne Historie gaben mir das Gefühl, ich wäre eine Touristin, mitten von historischen Gebäuden des 16.ten Jahrhunderts umzäumt. Einziger Augenschmauss waren die Topp-Kostüme à la William Morris (siehe oben), Details wie vom Hofmaler Hans Holbein (der Jüngere) verewigt:
Eine der Schlussszenen zeigt uns Mary Boleyn mit Anne's TochterElizabeth I, die spätere Königin Englands, in den Armen ihrer Tante nachdem ihre Mutter hingerichtet wurde:
1969: Anna mit ihrer Tochter Elizabeth "Anne of the Thousand Days"@ Hal Wallis Productions
Ein Hinweis auf die nahe Zukunft. Diese Szene hat Justin Chadwick dem Regissieur Charles Jarrott abgeguckt. Elizabeth ist hier noch ein Baby und liegt in den Armen ihrer Tante. Jarrot’s "Königin für tausend Tage" (Anne of the Thousand Days) aus dem Jahr 1969 (mit Richard Burton als König Heinrich VIII und Geneviève Bujold als Anna Boleyn) zieht den gleichen Schlussstrich “back to the future”: Wir sehen das Kleinkind Elizabeth, es trottelt vom Zuschauer weg.
Chadwicks schnörkellose Regie lässt uns das Schicksal beider Boleyn Schwestern mühelos verfolgen, ohne das wir Tränen vergiessen, das Taschentuch bleibt absolut trocken. Ein Hauch von Tudor schnell vom Winde verweht, zwei Hollywood-Prinzessinen die wir nachher schnell wieder vergessen können…
Chadwicks schnörkellose Regie lässt uns das Schicksal beider Boleyn Schwestern mühelos verfolgen, ohne das wir Tränen vergiessen, das Taschentuch bleibt absolut trocken. Ein Hauch von Tudor schnell vom Winde verweht, zwei Hollywood-Prinzessinen die wir nachher schnell wieder vergessen können…
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