Donnerstag, 16. Dezember 2010

Frankenstein und die Schweiz


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franz.Taschenbuchausgabe des Klassikers. Übersetzung: Joe Ceurvorst. Originalcover von 1818

Frankenstein, oder 'Frankenstein oder Der moderne Prometheus' (Original: Frankenstein or The Modern Prometheus) ist der bekannteste Roman von Mary W. Shelley, 1818 erschienen.
Er erzählt die Geschichte des jungen Schweizers Viktor Frankenstein, der an der damals berühmten Universität Ingolstadt einen künstlichen Menschen erschafft. Die Erzählung ist eine Mischung aus Briefroman und klassischer Ich-Erzählsituation .Viktor Frankenstein berichtet über sein verpfuschtes Leben dem Kapitän einer Forschungsexpedition der ihn in der Arktis rettet. Der Roman soll pädagogisch auf den Leser einwirken. Die Geschichte ist als Warnung vor einer entgrenzten menschlichen Vernunft gedacht, die sich selbst zu Gott macht und sich anmaßt, lebendige Materie zu schaffen. Shelley’s Anti- Held, Viktor Frankenstein, ähnelt damit sowohl dem 'literarischen' Faust als auch dem Prometheus aus der griechischen Mythologie.
Der Roman verdankt seine Entstehung der Villa Diodati in der Nähe des Genfersees. (Siehe Gedenktafel unten) Bei Lord Byron und dessen Leibarzt John Polidori verbrachte Mary Shelley mit ihrer Stiefschwester Claire Clairmont und ihrem (zukünftigen) Ehemann Percy Bysshe Shelley den Sommer 1816. Aufgrund des extrem schlechten Wetters konnten die Anwesenden oft das Haus nicht verlassen. Sie beschlossen, jeweils eine Schauergeschichte zu schreiben und den anderen vorzutragen. Mary schrieb ihren "Frankenstein".
Eine Schlüsselszene des Romans ist das Zusammentreffen vom „Monster“ und seinem Schöpfer in den Alpen. Die Kreatur ist anfangs weder böse noch gut, sondern naiv und leidet unter einer Identitätskrise, aufgrund seiner unerklärlichen Herkunft und seines Andersseins. So bekommt das Wesen während des gesamten Romans keinen Namen.
Enttäuschung, Traurigkeit und Selbstmitleid verwandeln sich zu Frust und schlagen in Hass gegen den Schöpfer (Viktor Frankenstein) um. Das “Monster”leidet unter Einsamkeit und Integrationsprobleme in die Gesellschaft. Frankenstein’s Schöpfung ist ein verzweifeltes Geschöpf nach der Suche von Liebe und Zuneigung. Das "Monster" entspricht den gesellschaftlichen Normen nicht und wird deshalb ausgeschlossen. Im Original macht Shelley, die Autorin, ihrem Victor Frankenstein einen Vorwurf : Sie behauptet er sei ein „schlechter“ Vater, der sein "Kind" einfach fallen lässt, weil er es zu hässlich findet.
Das “Ungeheuer” ist Teil seines Schöpfers bis zu dessen Tode hin.
Shelley’s Frankenstein ist nicht nur ein Goth(ic)-Roman (eigtl. „gotisch“, hier im Sinne von „düster, schaurig“), sondern eine moderne Beschreibung von Exklusion bis hin zur Diskriminierung. Unsere neuzeitliche Gesellschaft neigt dazu jemand der anders ausieht oder denkt auszuschliessen. Wer von unserer Gesellschaft ausgegrenzt wird, empfindet sich selber als ‚wertlos‘ und ‚außenstehend‘. Genauso geht es Victor Frankenstein's Schöpfung.

Einsiedler, Außenseiter, Obdachlose, AIDS-Kranke und Ausländer sollten ein Recht auf soziale und politische Teilhabechancen haben ...

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Gedenktafel am Genfersee
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein schönes Weihnachtsfest.

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